Alfa Romeo Tipo 33/3 Le Mans

Der 33 mit 3-Liter-V8-Maschine

Mit der Gründung von Autodelta von Ing. Chiti in den 60er Jahren steckt der sportliche Ehrgeiz von Alfa Romeo wieder hohe Ziele, die bis zur Markenweltmeisterschaft reichen.


1951 hatte Alfa Romeo die Formel-1 verlassen, um sich wirtschaftlich vollständig auf die Serienproduktion zu konzentrieren. Aber sowohl den Fahrzeugen als auch den Männern des Unternehmens blieb der Motorsport stets im Gemüt. So machte sich 1964 in der Abteilung für technische Entwicklung unter der Leitung von Orazio Satta Puliga und Giuseppe Busso der Wunsch breit, einen Sportwagen für Rennen in der Kategorie Sportprototypen zu bauen. In jenen Jahren stieß das Interesse für die Sportprototypen-Meisterschaft auf ein breites Publikum und die Teilnahme erwies sich daher als eine gute Werbeinvestition. 

Die Voraussetzungen für die Entwicklung der legendären Alfa Romeos 33 reichen weit zurück in die Provinz Udine, wo eine kleine Firma im Auftrag von Alfa Romeo die Giulia TZ produziert. An der Spitze des späteren Unternehmens Autodelta stand der dynamische Ingenieur Carlo Chiti, der zuvor bei Alfa und Ferrari gearbeitet hatte. Die Entwicklung der Beziehungen zum Autohaus der „Biscione“ (dt. Schlange und Logo von Alfa Romeo) führte dazu, dass sich Autodelta in Settimo Milanese in der Nähe des Hauptsitzes von Alfa Romeo niederließ. In der Tat beschloss Alfa, Autodelta mit dem Bau der Giulia GTA zu beauftragen, und erwarb anschließend die Firma von Chiti, die zur offiziellen Motorsportabteilung für die Konstruktion und das Management von Rennwagen wurde. 

Im Winter 1965 drehte der erste Prototyp des Sportwagenprojekts mit Heckmotor auf der Rennstrecke von Alfa Romeo in Balocco seine Runden: Der Motor war die Weiterentwicklung des legendären Bialbero 1600 des TZ2. Durch die Entwicklung dieses Prototyps entstand dann später der Alfa Romeo Scarabeo von Giuseppe Busso. Mit der Übernahme von Autodelta gelangt das Anfangsprojekt von Satta und Busso in die Hände von Chiti und ab dem Winter übernimmt der „Tipo 33" von Autodelta alle endgültigen technischen Merkmale: vom noch nie da gewesenen Chassis mit „H”-förmiger Struktur zum neuen 2-Liter-V8-Motor, der 270 PS entwickelt.

Das siegreiche Debüt findet am 12. März 1967 beim Bergrennen in Fléron/Belgien statt: Der neue Alfa Romeo 33, der aufgrund des hinter dem Rennfahrer aufsteigenden, dynamischen Lufthutzes auf den Namen „Periskop“ getauft wude, gewinnt das Rennen und lässt dabei viel leistungsstärkere Fahrzeuge und Fahrzeuge höherer Klassen hinter sich. Der neu entstandene Alfa Romeo 33 wird meisterhaft von Testfahrer Teodoro Zeccoli gefahren, der die Entwicklung des 33 mit großer Leidenschaft und persönlichem Engagement verfolgen wird. 1968 nehmen die 33/2 (die 2 steht für den Hubraum in Litern) an der Sportprototypen-Weltmeisterschaft teil und ernten Siege und optimale Platzierungen bei den strapaziösen Endurance-Rennen; so entsteht aufgrund des überwältigenden Dreifachsieges in der 2-Liter-Klasse beim 24-Stunden-Rennen von Daytona der Name des Fahrzeugs, das immer noch in einwandfreiem Zustand ist und im Historischen Alfa-Romeo-Museum in Arese ausgestellt wird: der Alfa Romeo Tipo 33/2 Daytona.

Alfa Romeo 33/3 "Le Mans"
Alfa Romeo 33/3 "Le Mans"
ENGINE
V8 Otto cycle, central/posterior longitudinal 2998 cc
POWER
400 HP @ 9000 rpm
SPEED
310 km/h
WEIGHT
700 kg
DESIGN
Autodelta
TYPE OF BODY
Spider (sports car for the World Sportscars Championship)

Der V8-Motor des Alfa Romeo 33 nimmt von 2 auf 3 Liter an Hubraum zu, aber seinen definitiven Erfolg feiert er bei der Markenweltmeisterschaft 1975 mit dem 33 TT 12, ausgestattet mit Zwölfzylinder-Motor mit 500 PS.


Wie das Sprichwort sagt, kommt der Appetit beim Essen, und der Führungsriege von Alfa Romeo reichten die Klassensiege nicht mehr aus. Für das Ziel, einen Sieg in der Absolutwertung zu erreichen, wird der 33 neu entworfen: ein neues Chassis mit aus der Luftfahrt stammender, kastenförmiger Struktur, der V8-Motor mit auf 3 Liter erhöhtem Hubraum, der 400 PS erreicht, und ein neues 6-Gang-Getriebe kommen zum Einsatz. So entsteht 1969 der Alfa Romeo Tipo 33/3. Dank der leichten Glasfaserkarosserien, die sich an die Anforderungen eines jeden Wettbewerbs anpassen, ändert das Auto häufig seine Konfiguration: Die unterschiedlichen Gestaltungen des Heckbereichs - im Fachjargon als langes oder kurzes Heck bezeichnet - erfüllen die aerodynamischen Anforderungen der verschiedenen Strecken, sowie die Frontpartien und -spoiler.

In der Saison 1970 nehmen vier 33/3 am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil: Diese von Autodelta aufgestellten offiziellen Fahrzeuge sind rot - die traditionelle Farbe italienischer Rennwagen - ihre Frontpartien jedoch in unterschiedlichen Farben lackiert, damit sie in den Boxen schon von weitem sofort identifizierbar sind: Gelb die Nummer 35 von Nanni Galli und Rolf Stommelen; Weiß die Nummer 36 von De Adamich-Courage (das herrliche Exemplar wird im Historischen Alfa-Romeo-Museum in Arese aufbewahrt); Hellblau die Nummer 37 von Hezemans-Gregory und ganz in Alfa-Rot die Nummer 38 von Zeccoli-Facetti. Geblieben ist von diesem Wettrennen das wunderschöne Zeugnis des legendären Films/Dokumentarfilms „Le Mans“ mit dem jungen Steve McQueen in der Hauptrolle. Im Oktober tragen De Adamich - Pescarolo in Österreich beim 1000-km-Rennen von Zeltweg den Klassensieg davon und besteigen den 2. Platz auf dem Podium der Absolutwertung.

Die Qualitäten des Projekts zeigen sich endgültig 1971: die Alfa Romeos Tipo 33/3 bescheren sowohl den Rennfahrern als auch Autodelta und den Managern von Alfa zahlreiche Genugtuungen. Die Leistung steigt auf 420 PS, das Getriebe hat wieder 5 Gänge und trägt dazu bei, das Gesamtgewicht des Autos auf ein Minimum zu reduzieren. Bei mehreren Gelegenheiten schafft es der agile Alfa Romeo 33/3, sich gegen viel leistungsstärkere Fahrzeuge durchzusetzen: wie bei der Brands Hatch 1000 km mit De Adamich-Pescarolo; dann ein weiteres Mal mit De Adamich und Peterson beim 6-Stunden-Rennen von Watkins Glen, bis zum großen Erfolg des Doppelsiegs bei der Targa Florio mit Vaccarella-Hezemans, die sich vor De Adamich-Van Lennep setzen. Zu den sensationellen Erfolgen auf europäischer Ebene kommen unzählige Siege auch bei den kürzeren Bergrennen, bei denen Leistung, Wendigkeit und Leichtigkeit zählen: Qualitäten, die der 33 im Überfluss besitzt und die es dem Rennfahrer ermöglichen, von Anfang an das volle Potenzial des Fahrzeugs auszuschöpfen.

Der Alfa Romeo erreichte seinen WM-Triumph in der Saison 1975, als er die Markenweltmeisterschaft eroberte und sieben der acht für die Weltmeisterschaft gültigen Rennen für sich entschied. Die Voraussetzungen für den Sieg waren mit dem Dreifachsieg beim 1000-km-Rennen von Monza 1974 gelegt worden. Hauptakteur ist der Alfa Romeo 33 TT 12 mit Rohrrahmen aus Aluminiumlegierung (woraus sich das Kürzel TT für Telaio = Rahmen und Tubulare = rohrförmig ableitet) und Motor mit 12 entgegengesetzten Zylindern und maximaler Hubraumleistung von 3 Litern und 500 PS, den Alfa Romeo 1979 auch in der Formel-1 einsetzt. Die wichtigsten Protagonisten am Steuer sind große Rennfahrer wie Arturo Merzario, Nino Vaccarella, Jochen Mass, Jaques Laffite und Henri Pescarolo.

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